Apr 142012
 

Der große CrashDie Leinwand der Finanzwelt ist mitunter eine ergiebige Projektionsfläche. Als Kind der 80er waren Filme wie Die Glücksritter mit Eddie Murphy oder Wall Street mit Michael Douglas und Charly Sheen, die Filme, die mir unheimlich Spaß machten. Ich wollte wie Gekko sein und mein Lebensunterhalt mit Orangensaft- und Frühstücksspeckoptionen bestreiten. Aus heutiger Sicht verstärkten diese Filme wohl nur ein Lebensgefühl. Das Gefühl nämlich, dass jeder erfolgreich sein kann, das Geld einfach zu verdienen sei, ja, es waren vielleicht die ersten Propagandafilme eines autokannibalen Systems des Turbokapitalismus. Letztendlich hat immer das Gute, der Schwache, über das Böse, dem Finanzhai, gewonnen. Die Märkte haben sich immer selbstreguliert, daran glaubten auch die Politiker, die in den 80ern die Gesetze lockerten, allen voran Thatcher und Reagan. Doch überschätzte man die Vernunft und unterschätzte die Gier. Gier ist Gut, sagt Gordon Gekko in Wall Street und gibt den Startschuss für den ungehemmten Irrsinn an den Finanzmärkten. Selbstregulierung ist ein Trugschluss, den wir heute bezahlen.

Kapitalismuskritik ist in diesen Tagen populär, doch es ist nicht das System an sich, das es zu verurteilen gilt. Ein Mensch, der die legalen Regeln ausnutzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen mag moralisch vielleicht manchmal zweifelhaft sein, aber so ein Mensch schlummert in jedem von uns. Geld, Banken und Aktien sind nicht schlecht, nur haben sie aufgehört dem Menschen zu dienen. Keine Katharsis wird uns von unserem Anspruchsdenken befreien, sondern nur verbindliche Regeln, die wir uns selbst auferlegen.

In Der große Crash werden ebensolche Menschen gezeigt, Angestellte wie Du und Ich, die ihren Job machen und deren Loyalität zur eigenen Firma größer ist als die abstrakte Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Und wer könnte ein solches Verhalten tadeln, wer will seinen Lebensstandard freiwillig senken und seinen Job verlieren? Zumal sie nichts verbotenes tun. Man muss dem Film zweifellos attestieren, dass er diese Welt in den Hochhäusern Manhattans so wiedergibt, wie sie tatsächlich ist: schlicht, nicht übertrieben gezeichnet, nicht spannend, bürokratisch. Einfache Leute mit einfachen Gemütern. Da gibt es die vergleichsweise schlecht bezahlten Knöpfchendrücker, die von einem Aufstieg träumen, das mittlere Management, das keine Ahnung hat, was die Mitarbeiter unter ihnen machen und nur delegieren und motivieren und die oberste Spitze, die die Richtung aufzeigt: nach oben, mehr Profit. Ein Unternehmen wie viele andere. Das angekündigte Drama oder der Thrill kommt aber leider nicht zum Vorschein.

Liefert Kevin Spacey als Finanzveteran zwar einigermaßen gutes schauspiel, verläuft es dennoch im Allgemeinen sehr oberflächlich. Vielleicht wäre der Film als Mockumentary besser aufgehoben gewesen, denn er lebt nur von der Authentizität, die leider zu keinem Zeitpunkt auftauchen will. Eine ähnliche Belanglosigkeit der Geschichte erleben wir zwar auch in Wall Street 2 – Money Never Sleeps, aber dort sind die Charaktere so abgehalftert, dass man sie liebt, hasst oder aber zumindest hinterfragen kann. Zu keinem Zeitpunkt entsteht ein wie auch immer geartetes Gefühl zu den Personen in diesem Streifen, vielleicht ist das die ungewollte Botschaft. Ohne mit der Wimper zu zucken könnten wir jeden von ihnen selbst entlassen, sie machen nur ihren Job und wenn sie ihn schlecht machen holen wir uns jemand anderen oder streichen die Stelle, in diesem Geist handeln auch die Entscheider im Film. Wir reduzieren alles auf Zahlen, die von Raketenwissenschaftlern (Zachary Quinto) und Ingenieuren (Stanley Tucci) aufbereitet werden, statt das Wesentliche zu sehen: den Menschen.

Nur leider reicht das nicht für einen guten Streifen, eben sowenig wie eine gute Kamera. Diese ist nämlich sehr gut, vermag sie doch ein Bürogebäude so einzufangen, als sei es groß und schön mit vielen Nischen für alles und jeden. Die Ästhetik hebt diesen Film etwas hervor, macht aus fensterlosen Toiletten, Büros und nächtlichen Bildern von Manhattan eine ganz besondere Mischung.

Schlussendlich bleibt eine Geschichte, die mit seelenlosen Charakteren uninspiriert erzählt wird und kurze Zeit nach dem Abspann in Vergessenheit gerät. Schade.

Der große Crash – Margin Call
Margin Call (US 2011 [4/10])

Trailer

 

Apr 102012
 

In Christian Krachts Roman Imperium wird die Geschichte des deutschen Kolonialismus am Beispiel des August Engelhardt erzählt. Engelhardt ist überzeugter Vegetarier und Nudist. Durch seine Erfahrung mit der kaiserlich deutschen Obrigkeit und dem Kleinbürgertum seiner Heimat, ist er vom Traum beseelt, in den Kolonien eine neue Heimat, ja, eine neue Gesellschaft zu bauen. Grundlage für seine neue Welt, wie kann es anders sein, ist der Vegetarismus in einer besonderen Prägung. Als göttliche Frucht ist die Kokosnuss auserkoren, alleiniges Nahrungsmittel zu sein. Zu diesem Zweck kauft er sich ein Eiland samt Kokosplantage und gründet dort seinen Sonnenorden. Der erste Adept ist eine Enttäuschung, derer sich bald entledigt wird. Der zweite Adept, Max Lützow, ein erfolgreicher Musiker in der Berliner Gesellschaft und geplagt von Zivilisationsmüdigkeit, ist sehr viel erfolgversprechender und wird Engelhardts treuer Begleiter im Orden, der im Buch nie über zwei Mitglieder hinausgeht.

Das Buch ist von einen derartigen Witz, dass man meinen könnte, Kracht sei ein brillanter Satiriker. Einen Kokosnussorden im Indischen Ozean zu verorten und ihn mit der Spießigkeit der deutschen Pickelhaube zu verbinden, genial. Fast Genial, denn bis auf wenige Ausnahmen ist alles irgendwo in der Geschichte real vorhanden gewesen. Wie ein großes Konzert der Geschichte erlaubt sich Kracht einige Variationen. Die Wirklichkeit wird zur Selbstironie, der anspruchsvolle, ehrliche und wertneutrale Stil von Kracht lässt es dann noch authentisch wirken. Der Verdienst des Autoren ist mitnichten die Geschichte, die ohnehin das Leben schrieb, sondern das Gefühl beim Leser, in jeder Sekunde in der die Augen über die Zeilen streifen, den salzigen Wind des Meeres und die süße Milch der Kokosnüsse zu schmecken.

Die Zeit in der das Buch spielt, ist die Zeit der Umbrüche. Es sind noch ein paar Jahre hin bis zum 1. Weltkrieg aber die Gesellschaft experimentiert bereits mit Ideen für eine Zukunft, die zwangsläufig kommen muss, so wie der Sonnenschein auf den Regen folgt. Nicht nur solche Randfiguren der Geschichte wie Engelhardt machen sich Gedanken über die Zukunft. Auch Theoreme wie der Kommunismus, Faschismus und Sozialismus aber auch Antisemitismus, Euthanasie und Rassismus sind Kinder jener Zeit, deren Umsetzung und Ausmaße niemand mit gedacht hat. Wenn Kracht als Türsteher rechter Gedanken denunziert wird, zeigt es, dass politischer Journalismus schnell an die Grenze zum Lächerlichen gelangt. Die Beschreibung des Wirklichen, das Einfangen eines Gefühls, wie dem eines Zeitgeistes, ist durchaus Kunst und unterliegt nicht dem Urteil der politischen Journaille. Und auch das ist der Zeitgeist von Heute. Politiker versuchen mit ihren Mitteln Kunst und Kultur zu erfassen, wie zu den Tagen der verrauchten Salons in der Hauptstadt. Die Früchte dieses Unterfangens sind es dann auch, die einem ein mittelmäßiges Gedicht eines ausgebrannten Literaturnobelpreisträgers nicht wegen seines pedantischen Stils beurteilen lassen, sondern seinem Autor mit politischen Schlagworten seinen guten Willen absprechen.

Kracht macht sich weder zum Anwalt noch zum Richter, eher zum Ermittler der Zeit des Imperiums des Kaisers der Kokosnuss, es ist spannend und amüsant ihm in die Südsee zu August Engelhardt zu folgen.

Mrz 252012
 

Am Anfang war das Wort. Welches Wort es war, darüber können wir streiten. Betrachten wir die Popkultur der Gegenwart, war das erste Wort, welches die große Affennation im „Planet der Affen“ schmerzlich lernen musste Nein. Am Anfang war der Gedanke und wenn wir daraus ein Algorithmus fabrizieren, dann war das Verbot noch vor dem Gebot geboren; das Gesetz vor der Sünde. Wenn wir ganz neu beginnen könnten, alles aus den Geschichtsbüchern löschen, alle Grenzen überschreiten, welche Regeln würden wir uns geben? Ich finde: Alle Menschen sind frei geboren, trifft doch es doch wirklich gut. Oder: Alle Menschen sind gleich. Als Kulturpessimist, dessen Image ich mitunter gerne pflege, ist es aber nicht die Wirklichkeit, die die Gründerväter der USA und der Bundesrepublik konstatierten, sondern ein Ideal, das es zu verwirklichen gilt. Wir beginnen mit Sätzen, die ihre Kraft nur entfalten, wenn wir sie nicht als individuelle Rechte sondern als gesellschaftliche Pflichten, ja, als Verbote, verstehen.

Die Religionsfreiheit garantiert uns einen Glauben zu wählen, den wir annehmen möchten. Aber es bedeutet auch das Verbot jemanden wegen seines Glaubens zu diskriminieren. Das Grundgesetz regelt zwar in diesem Punkt nur das Handeln des Staates gegenüber seinen Bürgern, aber ist dieser Grundsatz nicht auch verpflichtend für die Menschen untereinander? Wer glaubt, muss auch wissen, dass er die Verpflichtung hat, andere Menschen in ihrem Glauben zu lassen. Es geht nicht nur um Diskriminierung, es geht um Toleranz. Niemand kann gesetzlich dazu gezwungen werden; Gedanken sind frei, Taten aber nicht. Wenn ein Mensch aus religiösen Motiven anderen Menschen das Leben nimmt, ist er ein Mörder, aber es zeigt auch, dass dieser Mensch nicht in einer freien, lebensbejahenden und offenen Gesellschaft angekommen ist.

Der Mensch ist Summe seiner Erfahrungen. Der Mörder von Toulouse hat sicher eher schlechte Erfahrungen gemacht, vielleicht wird er sie mit falschen Denkmustern interpretiert haben, ganz sicher ist aber, weder die Gesellschaft noch ein Gen ist schuld daran, dass er tat, was er tat. Wer für sich entschieden hat, dass er auf eigenen Pfaden wandeln will, der kann nicht immer von der Gesellschaft abgeholt werden. Wir müssen dies als persönliche Freiheit akzeptieren, auch wenn wir es nicht verstehen. Erst wenn hieraus ein Konflikt entsteht, haben wir das Recht einzugreifen. Gedanken sind frei.

Alle Menschen sind frei und gleich, diesen Satz würde ich nicht an den Anfang schreiben. Alle Menschen sind unschuldig, bis sie Schuld auf sich laden, das wären meine ersten Worte, in dieser Zeit in dieser Welt. Der Täter von Toulouse hat nicht erst Schuld auf sich geladen, als er mordete, schon vorher, als er seine Taten durch Raubüberfälle vorbereitete, begann er sich abzuwenden. Er war schon viel früher nicht mehr Teil der Gemeinschaft, geistig nicht und auch nicht durch sein Handeln. Die Tat wurde nicht verhindert, auch nicht durch die bereits bekannten Daten über seine Person.

Eine Gesellschaft die auf dem Fundament Vernunft und Freiheit baut, ist gegen vieles gefeit, nur nicht gegen eine Unterspülung des Fundaments selbst. Wir wanken, weil der Boden unter unseren Grundfesten mit Schlick unterspült wird. Nicht der Terror, nicht eine fremde Religion, nicht Menschen aus fernen Ländern gebaren die Risse unter uns, unter unseren Füßen bahnt sich nur die Angst einen Weg durch das Gemäuer.

Die Sünde wurde vom Menschen erdacht, um Gedanken zu kontrollieren. Stärker als jedes Gesetz ist die Selbstzensur. Wenn wir derartige Taten zum Anlass nehmen, Gesetze zu verabschieden, die immer mehr von unserer Selbstbestimmung zehren, die unsere Daten nicht schützen, dann kann ich mit ruhigen Gewissen sagen: Bitte, ich habe nichts zu verbergen. Aber es ändert sich etwas in unserem Denken. Wir erlauben anderen Menschen, uns als potenzielle Verbrecher zu sehen, wir verhalten uns nicht mehr so, wie sich vernunftbegabte Menschen verhalten sollten, es entsteht Misstrauen, wir werden zu Sündern. Vielleicht müssen Menschen nur oft genug das Wort Nein hören, um es mit der eigenen Stimme zu formen und es denen entgegen zu schreien, die aus Machtgier und Aktionismus nur das Schlechte in jedem von uns sehen wollen.

Ich erwarte diese Zeit.

Interesannte Links:
Ein-Mann-Terrorismus wie bitte?
SozioPod Extemismus/Fundamentalismus

Mrz 112012
 

Früher war alles besser, klar. Ein Gespenst geht um und sein Name ist Kulturpessimismus. Und nicht mal diese Angst vor dem Verfall ist ein Kind unserer Zeit, wie erbärmlich doch alles ist. Unsere Kids können nicht mal gegen einen anständigen Krieg demonstrieren, denn wir führen keine Kriege mehr, wir lösen Konflikte. Alles was uns bleibt, ist Systemkritik. Früher hatten wir noch ne Mauer, hinter der sich wirklich ein abartig böses System befand, heute müssen wir uns mit uns selbst auseinandersetzen, das ist doch scheiße. Selbst die Politiker hatten den Anstand alles auszusitzen, heute treten sie zurück, wie lächerlich.

Diese Welt ist grausam. Und selbst das Jammern war früher besser, heute steht es auf jeder Pinnwand geschrieben, dass man Tankstellen boykottieren soll und kein Arsch hält sich dran.

Aber es gibt ein leichtes Funkeln am tief schwarzen Himmel.
Eine Anti-Friedensbewegung macht sich dran, das politische Bewusstsein unserer verkommenen Jugend zu wecken. Sammelt die Truppen, sie zeigen uns das Ziel.

Joseph Kony, ein Kriegsverbrecher aus Uganda, muss weg, notfalls mit dem überlegenden Militär des Westens. Oh ja, endlich mal wieder Krieg… naja gut, er kann ja auch lebendig vor ein Gericht gezerrt werden, wenn es sein muss.

Warum grade Kony? Er steht ganz oben auf einer Liste, die Top 10 der Schweinehunde sozusagen, und Jason Russell, der Chef Propagandist Menschenfreund, mag ihn nicht. Man sollte es sich daher gut überlegen, ob man es sich mit Herrn Russell verscherzt. Stellen wir uns doch mal vor, er hätte was gegen Hussein oder bin Laden gehabt? Wir würden unsere Soldaten als Helden feiern, so wie früher.

Und wenn wir mit Kony fertig sind, machen wir andere antisoziale Personen berühmt, es ist doch viel schöner Stars zu richtenals irgendeinen unter vielen. Wichtig ist nur ne emotionale Storyline und ganz viele Likes, Fakten? OK, die kann man sich zurechtbiegen. Ein wahrer Triumph der Willensbildung. Endlich darf der Pöbel wieder lynchen. Früher war doch nicht alles besser, nur anders.

 

Mrz 092012
 

Am nächsten Morgen war die Nacht vorbei, und ich war noch am Leben. Vielleicht schreibe ich einen Roman, dachte ich.
Und dann schrieb ich ihn.

Was Bukowski auszeichnet ist seine Glaubwürdigkeit. Er kannte das, worüber er schrieb und jeder Satz sitzt. Jetzt fläzt er wahrscheinlich irgendwo zwischen Himmel und Hölle rum und es ist ihm egal, ob wir seiner Gedenken oder nicht.

Das was ich von ihm gelesen habe, und das ist nicht übermäßig viel, hat mir eines gezeigt: Die Dinge beim Namen zu nennen, ungeschönt und ehrlich, kann eine Wohltat sein. Vielleicht war der Einzelgänger Bukowski kein Menschenfreund, aber seine Erfahrungen mit den Abgründen des Lebens, ließen ihn viele Sachen nachvollziehen. Er sah sich gerne als Verlierer und betrachtete andere Verlierer nicht als Menschen zweiter Klasse, sondern als Menschen die das Leben gefickt hat. Kein Mitleid aber Verständnis, das ist viel mehr Menschlichkeit als man heute gemeinhin erwarten darf.

Er sagte einmal, Tot oder Gesund, alles dazwischen ist Scheiße, so oder so ähnlich. Und ich glaube es ihm, ist es doch für mich nachvollziehbar. Ich gönne ihm seine Ruhe und hoffe, wo auch immer er jetzt ist, dass er gepflegt einen drauf machen kann.

Cheers

Mrz 092012
 

2010 erschien das 2. Album von Duffy, Endlessly. Leider stellt es weder eine Entwicklung noch das verharren auf den bisherigen Standard dar und ist vielmehr eine Neuorientierung, die nicht überzeugen will.

Wertung (4/10)

Cheers

Mrz 092012
 

2008 erschien das Debüt Rockferry von  Aimee Ann Duffy, kurz Duffy. Um die Zeit lief auch auf den Pop-Sendern Mercy und Warwick Avenue rauf und runter. Segen und Fluch zugleich, gute Musik in Dauerschleife kann auch zum Brechmittel werden. Das hat aber weder Duffy oder ihr Album verdient. Auf den knapp 38minütigen Release sind zwar auch Tiefen aber auch unwahrscheinliche Perlen zu finden.

Die damals 24jährige entzückt mit einer souligen Stimme, die mit warmen Tönen und eingängigen Melodien dieses Album zu eines meiner kleinen Schmuckstücken macht.

Ich halte nichts von Vergleichen. Ihr Sound wurde mit dem von den frühen Motown Records verglichen, ok. Mitunter, eigentlich ziemlich oft sogar, wird sie als biedere Ausgabe einer Amy Winehouse dargestellt. Auch Dusty Springfield taucht ab und zu mal als Vorlage auf. Egal, genug Namedropping.

Die schleppende, kräftige Musik vom ersten Song Rockferry erinnert mich mitunter an Jefferson Airplain. Schweres Klavierspiel leiten den Song ein, dazu kommen Jazz-Gitarren und eine Stimme, die alles zu bändigen weiß. Als erster Song ist er gut gewählt, spiegelt er doch die düstere mitunter melancholische Stimmung wider, die Songs lassen einen aber nie resignieren. Die Stimme von Duffy wirkt, als würde sie zerbrechen, aber nicht weil sie so dünn oder traurig ist, sondern weil sie rau und aufgerieben klingt, leicht und doch stark.

Immer wieder merkt  man, wie der Sound einen mitreißt. Kräftige melodische Untermalung, nette Texte und ihre Stimme machen den größten Teil des Albums aus. Während es auch Tracks gibt, die durchschnittlich sind. Sie sind nicht schlecht, reichen aber nicht an die Qualität der andern Lieder ran. Insbesondere die letzten drei Songs Delayed Devotion, I’m Scared oder Distant Dreamer sind meines Erachtens nicht so die Bringer auf der Scheibe.

Während ich Rockferry, Warwick Avenue und Stepping Stone als überdurchschnittlich betrachte. Insgesamt ist das Album aber rund und durchaus für Fans von poppigen Soul mit Anlehnung an die 60er zu empfehlen.

Duffy – Rockferry

  1. Rockferry
  2. Warwick Avenue
  3. Serious
  4. Stepping Stone
  5. Syrup & Honey
  6. Hanging on too Long
  7. Mercy
  8. Delayed Devotion
  9. I’m Scared
  10. Distant Dreamer

Homepage

Wertung: (7/10)
Cheers

 

Mrz 042012
 

Alle hacken auf der neuen Chronik von FB rum, doch ehrlich gesagt, sie ist vielleicht ein Grund, warum ich wieder mehr Zeit in dem Netzwerk verbringen könnte. Aber der Reihe nach.

Jeder Mensch hat einen Traum, die Inhalte sind sehr unterschiedlich, aber was alle Träume gemein haben, ist die Vorstellung, dass sich etwas zum Besseren wendet, wenn die Zeit der Erfüllung gekommen ist. Mein Traum ist es, die Dinge dieser Welt in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Hört sich hochtrabend an,  bedeutet für mich aber lediglich, die Dinge die ich kenne, zu ordnen. Ich liebe Listen, Tabellen und Statistiken. Ich bin viel zu unordentlich, um autistisch veranlagt zu sein, es ist auch keine Obsession.

Ein Sammler und Jäger erlebt in dieser Zeit ein schier unbegrenztes Angebot an Revieren zum Wildern. Und jemand der nach Ordnung hungert, findet sie überall im Netz. Geht es zu erst darum Listen zu finden, um seine Sammlung zu vervollständigen, ist der nächste Schritt Listen zu finden, die einem Neues zeigen. In diesem Stadium befinde ich mich gerade.  So ist es wohl verständlich, dass mich die Liste des Rolling Stone über die 500 besten Musikalben etwas angefixt hat. Und derer Listen gibt es gleich 2, die amerikanische und die deutsche Top 500. Und noch nicht genug, es gibt auch eine Top 3.000 Liste. Bei diesen ganzen Listen ist die Autorität des Herausgebers wichtig, nicht jede Liste ist gleich reizvoll. Auch bei der Aufstellung des Rolling Stone gibt es Kritikpunkte oder Sachen, die man wissen sollte.

Beginnt man seinen Traum, alles zu komplementieren und zu ordnen, erlangt man irgendwann das Gefühl für das wirklich Wichtige und Gute, man löst sich von den Meinungen anderer und erst dann sollte man seine eigenen Listen erstellen. Das wird bei mir noch dauern und bis dahin werde ich meine musikalischen Erfahrungen in Form von Alben, Konzerten und anderen Eindrücken ordnen. Wie man Alben sortiert, ist einfach. Es gibt nur eine Form und Rob Gordon kennt die Antwort. Auch hier habe ich eine Liste gefunden, die ganz gut beschreibt, wie es mit der Ordnung und Eigenheiten der Sortierung aussieht.

Aber was ist denn nun mit FB? Genau, die neue Chronik lässt alles in einen Zeitstrahl erscheinen, ordnet alles nach Begebenheit und Ursache. Als ich 1995 Batman Forever sah, als Film eher durchschnittlich, und mir daraufhin den OST kaufte, entdeckte ich Nick Cave und Mazzy Star für mich. Murder Ballads, das 96er Album von Cave, war meine erste Scheibe von ihm. Die Platte wurde auch ziemlich gehypt. Nicht zuletzt wegen Where the Wild Roses Grow mit Kylie Minogue. Kylie hatte damit nen ziemlichen Stein bei mir im Brett. Also man sieht, die zeitliche Einteilung ist hervorragend geeignet um Musik einzuordnen, FB hilft einen dabei.

So, ich sortiere jetzt weiter…
Cheers

 

Feb 282012
 

Wie man weiß bin ich bibliophil, das ist kein Problem, ist es doch gesellschaftlich nicht relevant und keinen interessiert es. Und doch steigt in mir ein Unwohlsein auf, eine Befürchtung wie zu Zeiten als die DVD eingeführt wurde und man sich mit seiner Sammlung von VHS-Kassetten auf einen sinkenden Schiff sah und versuchte sich gegen die Zukunft zu erwehren, hoffnungslos und verbittert. Der Blitz soll die Jünger der Moderne treffen… und weitaus schlimmere Verwünschungen fanden den Weg über meine vor Zorn geifernden Lippen. Ich erwarb dann einen DVD-Player und dazu eine DVD (Die Verurteilten, mein erster eigener Film auf dem neuen Medium) und ich sah die Vorzüge: kein Rückspülen, keine Qualitätsminderung durch häufiges konsumieren, generell längere Lebensdauer (Bandsalat) und ganz entscheidend: die Bild- und Tonqualität.

Nun hat anscheinend auch das Medium Buch seinen Zenit überschritten und all überall lese ich etwas über eBooks. Doch wie ich schon über die Musik schrieb und jetzt über den Film, diese Kunstformen sind nicht an Schellack und Leinwand gebunden, diese Künste sind Kunst und Unterhaltung aus ihren Tönen und Bewegungen heraus. Ein Buch ist etwas anderes. Es ist nicht nur Träger von Kultur, es ist als solches Kultur.

Man kann das Lesen vom Buch lösen, das ging schon immer. Bücher gab es schon lange auf dem Computer, oder mobiler auf Notebooks und Handys. Es ändert sich nur der Komfort mit eInk und leichteren eReadern oder Tablets, aber der Kern wird dadurch nicht berührt. Für mich ist es ein Graus, ein Buch zu lesen und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, eMails abzurufen oder besonderes Lesevergnügen zu twittern, selbst ein Surren oder die Wärme eines Akkus würden mich stören. Je mehr ich mich im Realen isoliere, desto tiefer ist meine Empfindung im Fiktiven. Ich kann auch nicht in Cafés oder am Strand lesen. Ich werde immer behaupten, dass es daran liegt, weil ich den Autor eines guten Buches würdigen will, diese romantische Verklärung gefällt mir sehr. Die Wahrheit ist aber, dass ich die wenigen Stunden in der Woche nutze, um wirklich abzuschalten. Ruhe und die Beschäftigung mit nur einer Sache, egal wie vielseitig das Buch auch sein mag, ist für mich die Katharsis vom Alltag. Diese Wirkung hat übrigens auch das Hören eines Albums von z.B. Pink Floyd. Sich einer nicht selbstgewählten Tracklist auszuliefern, nicht selbst zu bestimmen was kommt und dennoch voller Hingabe die Musik eines Künstlers zu lauschen und zwar nicht nur so nebenbei, ist befreiend.

Aber welche Zukunft hat denn das eBook für mich?

Ich glaube, wir alle lesen viel, vielleicht sogar mehr als vor dem Internet. Warum wir lesen hat dementsprechend viele Gründe. Wir wollen Informationen haben, wir wollen schnell Unterhalten werden, wir finden Texte, die gut, aber nicht mehr oder gar noch nie als Buch verfügbar sind oder waren. Manchmal lese ich auch nur mal so. Wenn ich von interessanten Autoren höre oder mir ein Stern vom hellen Bestsellerhimmel pflücke. Entsprechend kurz sind die Zentimeter des Bücherregals, eine gute Lösung für den Platzmangel ist dann schon der Kindle oder entsprechende Produkte. Kennenlernen, Querlesen oder als Kulturquickie ist für mich die Zukunft und Sinn des neuen Buches. Keine wahre Alternative zum Buch, eine reine Ergänzung.

Und ich bin auch nicht so konservativ, wie es jetzt scheinen mag. Ich bin ein großer Freund des Hörbuchs, also der totalen Trennung von Inhalt und Medium, radikaler als es mit einem eBook in der jetzigen Form geschieht. Nach dem großen Hype der Sounddateien ist die Verbreitung dieser Gattung eher rückläufig, um es freundlich auszudrücken, eben weil es weitaus mehr Puristen unter den Lesern gibt als bei jedem anderen Kulturgut. Es ist daher auch fraglich, ob die, die jetzt darüber bloggen und Kommentare im Netz lesen, so wie ich, nicht generell aufgeschlossener sind für Worte in Bits und Bytes und somit einer subjektivem Wahrnehmung unterliegen.

Im Netz stoße ich alle paar Meter über eBooks, in meinem Bekannten-, Verwandten- und Kollegenkreis ohne Netzambitionen kenne ich erst eine Person, die einen eReader besitzt. Und schaut man sich die Verkaufszahlen an, kann man Ähnlichkeiten zum Hype der Audiobooks erkennen, anfangs hohe Nachfrage und dann?. Es waren die illegalen Downloads, die das gesprochene Wort in die Knie zwangen, und die Behauptung, dies könne den elektronischen Büchern nicht passieren, lässt vergessen, dass jeder Kopierschutz umgangen werden kann. Die Absatzzahlen sind für mich eher ernüchternd, aber man mag sie für sich selbst interpretieren.

Ein Buch, das mit Sound- und Videofiles angereichert ist, ist für mich kein Buch, sondern eine lärmende Anwendung, bestenfalls ein Text in Form eines Wikieintrages und dementsprechend würde ich sie behandeln. Ein Gebrauchstext oder ein kleiner Zeitvertreib, bei dem ich keine Entspannung finde. Und wenn man schon einen solchen Weg des interaktiven Buches in Form einer Applikation beschreitet, dann sollte man es Profis überlassen. Wenn der Autor nur noch die Story für Appentwickler entwirft, mag daraus etwas entstehen, allerdings kein Buch. Somit ist das Buch als App auch für mich eine Totgeburt.

Was sind denn die Vorteile von einem eReader und seinen Büchern gegenüber einem gedrucktem Buch? Ich meine die Vorteile, die das Lesevergnügen aufwerten? Man kann die Schriftgröße ändern, ok. Letztendlich wird es sich nur durchsetzen, wenn es Vorteile bringt, und der entschiedenste Vorteil ist immer noch der Preis, dieser ist aber hierzulande gebunden.

Wenn ich in die Zukunft sehe, sehe ich ein interaktives Storytelling, Das bricht so sehr mit den derzeitigen Vorstellungen von Buch und eBook, dass ich das als wirkliche Innovation betrachte. Das Buch bleibt Buch, die Geschichte eines Buches geht aber einen ganz neuen Weg.

Was ist damit gemeint?

Stellen wir uns vor, wir bewegen uns auf einer Straße, der Geschichte eines Romans zum Beispiel, entlang des Weges treffen wir auf bestimmte „Auslöser“: Menschen, Gegenstände, Weggabelungen, wir können damit zwar nicht interagieren sie aber näher betrachten. Schenken wir ihnen Beachtung, erfahren wir mehr über diesen Teil der Geschichte. Es geht nur in eine Richtung, allenfalls einige Seitenstraßen, die aber immer wieder zurückführen, sind vorhanden.

Das ist kein Buch, es kann aber Literatur sein, deren Verpackung die Möglichkeiten der Elektronik sinnvoll nutzt. Das ist auch kein allzu weiter Ausblick in die Zukunft, es ist nämlich schon Gegenwart. Die Idee dazu hatten Nerds und Spieledesigner. In Dear Esther werden einem Passagen aus Briefen und anderen Texten vorgelesen, man steuert seinen Avatar über eine schottische Insel und erfährt so immer mehr über Esther und den Erzähler.

Das Ganze wirkt wie ein Computerspiel, ist aber nichts weiter als eine animierte Welt, die durch Töne und Bilder die Erzählung unterstützt und zeigt, wie man Literatur digital so umsetzt, dass es tatsächlich sinnvoll erscheint, Hardware für deren Konsum zu nutzen.
Mittlerweile gibt es deutsche Untertitel für dieses Programm, welches über Steam zu beziehen ist.

Wenn Nerd, dann richtig!
Cheers

Feb 272012
 

Eine kleine Nachbetrachtung. Nichts ist so alt wie die Zeitung von Gestern, ich weiß, aber leider musste ich wieder früh hoch und das Vorschlafen hats nicht gebracht. Nächstes Jahr nehme ich mir dafür einen Tag frei oder fange später an!

Was mich wirklich überrascht hat, ist dass The Descendants nur einen Oscar für das adaptierte Drehbuch bekommen hat. Der Film wurde ziemlich hoch gelobt, meine Meinung zum Film dümpelt noch im Web und ich werde sie asap hier hinein bloggen. Der Film an sich ist zwar nicht berauschend, aber Clooney war darin sehr, sehr gut. Zumindest er hätte einen Oscar verdient, meiner Meinung nach.

Bekommen hat ihn aber Jean Dujardin für seine Rolle in The Artist. Er ist der erste Franzose, der den Goldklotz für sein Schauspiel bekommen hat, tous mes compliments! Der Film hat überdies mächtig abgeräumt: Bester Film (Thomas Langmann ), Beste Regie (Michel Hazanavicius), Beste Filmmusik (Ludovic Bource) und Beste Kostüme (Mark Bridges). In letzter Kategorie trat er u.a. gegen Emmerichs Anonymus an, die Kostüme bei Anonymus waren wohl auch das beste am Film.

Ein weiterer Abräumer des Abends war Hugo Cabret. Ebenfalls 5 Oscars für den Film von Martin Scorcese. Bestes Szenenbild (Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo), Beste Kamera (Robert Richardson), Bester Ton (Tom Fleischman und John Midgley) und Tonschnitt (Philip Stockton und Eugene Gearty) sowie Beste Effekte (Rob Legato, Joss Williams, Ben Grossman und Alex Henning).

Die Verfilmung von Stieg Larssons Verblendung, oder sollte ich eher das Remake von Niels Arden Oplevs 2009 erschienenen Werkes sagen?, durch David Fincher heimste den Oscar für den besten Schnitt ein. Ich muss sagen, so dolle ist der Schnitt ja nicht, bei diesem fast 1zu1 Remake. Fraglich ist nur, warum die Amis lieber ganze Filme neu drehen anstatt sie zu synchronisieren? Dass Roony Mara überdies für den Preis als beste Darstellerin nominiert war, ist eher ein schlechter Witz. Selbst wenn man nicht von dem schwedischen Original erheblich abgekupfert hätte und selbst wenn man Noomi Rapace nicht als Lisbeth Salander genießen durfte, ist doch augenscheinlich, dass die Performance von Roony Mara grottig ist.

Man mag Woody Allans Filme mögen oder nicht, ich persönlich mag eine ganze Menge seiner Filme nicht, aber er gehört zu den Großen im Geschäft und daher gönne ich ihm auch den Oscar für das Beste Drehbuch, zurecht oder nicht, kann ich erst sagen, wenn ich in den Genuss des Films Midnight in Paris gekommen bin (Paris Hilton spielt hier nicht mit).

Beste Hauptdarstellerin: Maryl Streep in Die Eiserne Lady
Bester Nebendarsteller:
Christopher Plummer in Beginners
Beste Nebendarstellerin:
Octavia Spencer in The Help
Bester Animationsfilm:
Rango (Gore Verbinski)
Bester fremdsprachiger Film
Nader und Simin – Eine Trennung (Iran) (Asghar Farhadi)
Bester animierter Kurzfilm:
The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore (William Joyce und Brandon Oldenburg)
Bester Kurzfilm:
The Shore (Terry und Oorlagh George)
Bester Dokumentarkurzfilm:
Saving Face (Daniel Junge und Sharmeen Obaid-Chinoy)
Bester Dokumentarfilm:
Undefeated (T.J. Martin, Dan Lindsay sowie Richard Middlemas)
Bestes Make-Up:
Die Eiserne Lady (Mark Coulier und J. Roy Helland)
Bester Filmsong!!!:
Die Muppets (Bret McKenzie [Man or Muppet]) (ich möchte nur mal wissen, wie man den ausgewählt hat?)

Die Ehrenoscars gingen bereits vor der Gala an James Earl Jones und Dick Smith