Die Leinwand der Finanzwelt ist mitunter eine ergiebige Projektionsfläche. Als Kind der 80er waren Filme wie Die Glücksritter mit Eddie Murphy oder Wall Street mit Michael Douglas und Charly Sheen, die Filme, die mir unheimlich Spaß machten. Ich wollte wie Gekko sein und mein Lebensunterhalt mit Orangensaft- und Frühstücksspeckoptionen bestreiten. Aus heutiger Sicht verstärkten diese Filme wohl nur ein Lebensgefühl. Das Gefühl nämlich, dass jeder erfolgreich sein kann, das Geld einfach zu verdienen sei, ja, es waren vielleicht die ersten Propagandafilme eines autokannibalen Systems des Turbokapitalismus. Letztendlich hat immer das Gute, der Schwache, über das Böse, dem Finanzhai, gewonnen. Die Märkte haben sich immer selbstreguliert, daran glaubten auch die Politiker, die in den 80ern die Gesetze lockerten, allen voran Thatcher und Reagan. Doch überschätzte man die Vernunft und unterschätzte die Gier. Gier ist Gut, sagt Gordon Gekko in Wall Street und gibt den Startschuss für den ungehemmten Irrsinn an den Finanzmärkten. Selbstregulierung ist ein Trugschluss, den wir heute bezahlen.
Kapitalismuskritik ist in diesen Tagen populär, doch es ist nicht das System an sich, das es zu verurteilen gilt. Ein Mensch, der die legalen Regeln ausnutzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen mag moralisch vielleicht manchmal zweifelhaft sein, aber so ein Mensch schlummert in jedem von uns. Geld, Banken und Aktien sind nicht schlecht, nur haben sie aufgehört dem Menschen zu dienen. Keine Katharsis wird uns von unserem Anspruchsdenken befreien, sondern nur verbindliche Regeln, die wir uns selbst auferlegen.
In Der große Crash werden ebensolche Menschen gezeigt, Angestellte wie Du und Ich, die ihren Job machen und deren Loyalität zur eigenen Firma größer ist als die abstrakte Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Und wer könnte ein solches Verhalten tadeln, wer will seinen Lebensstandard freiwillig senken und seinen Job verlieren? Zumal sie nichts verbotenes tun. Man muss dem Film zweifellos attestieren, dass er diese Welt in den Hochhäusern Manhattans so wiedergibt, wie sie tatsächlich ist: schlicht, nicht übertrieben gezeichnet, nicht spannend, bürokratisch. Einfache Leute mit einfachen Gemütern. Da gibt es die vergleichsweise schlecht bezahlten Knöpfchendrücker, die von einem Aufstieg träumen, das mittlere Management, das keine Ahnung hat, was die Mitarbeiter unter ihnen machen und nur delegieren und motivieren und die oberste Spitze, die die Richtung aufzeigt: nach oben, mehr Profit. Ein Unternehmen wie viele andere. Das angekündigte Drama oder der Thrill kommt aber leider nicht zum Vorschein.
Liefert Kevin Spacey als Finanzveteran zwar einigermaßen gutes schauspiel, verläuft es dennoch im Allgemeinen sehr oberflächlich. Vielleicht wäre der Film als Mockumentary besser aufgehoben gewesen, denn er lebt nur von der Authentizität, die leider zu keinem Zeitpunkt auftauchen will. Eine ähnliche Belanglosigkeit der Geschichte erleben wir zwar auch in Wall Street 2 – Money Never Sleeps, aber dort sind die Charaktere so abgehalftert, dass man sie liebt, hasst oder aber zumindest hinterfragen kann. Zu keinem Zeitpunkt entsteht ein wie auch immer geartetes Gefühl zu den Personen in diesem Streifen, vielleicht ist das die ungewollte Botschaft. Ohne mit der Wimper zu zucken könnten wir jeden von ihnen selbst entlassen, sie machen nur ihren Job und wenn sie ihn schlecht machen holen wir uns jemand anderen oder streichen die Stelle, in diesem Geist handeln auch die Entscheider im Film. Wir reduzieren alles auf Zahlen, die von Raketenwissenschaftlern (Zachary Quinto) und Ingenieuren (Stanley Tucci) aufbereitet werden, statt das Wesentliche zu sehen: den Menschen.
Nur leider reicht das nicht für einen guten Streifen, eben sowenig wie eine gute Kamera. Diese ist nämlich sehr gut, vermag sie doch ein Bürogebäude so einzufangen, als sei es groß und schön mit vielen Nischen für alles und jeden. Die Ästhetik hebt diesen Film etwas hervor, macht aus fensterlosen Toiletten, Büros und nächtlichen Bildern von Manhattan eine ganz besondere Mischung.
Schlussendlich bleibt eine Geschichte, die mit seelenlosen Charakteren uninspiriert erzählt wird und kurze Zeit nach dem Abspann in Vergessenheit gerät. Schade.
Der große Crash – Margin Call
Margin Call (US 2011 [4/10])
Trailer
wird die Geschichte des deutschen Kolonialismus am Beispiel des 
2008 erschien das Debüt Rockferry von Aimee Ann Duffy, kurz Duffy. Um die Zeit lief auch auf den Pop-Sendern Mercy und Warwick Avenue rauf und runter. Segen und Fluch zugleich, gute Musik in Dauerschleife kann auch zum Brechmittel werden. Das hat aber weder Duffy oder ihr Album verdient. Auf den knapp 38minütigen Release sind zwar auch Tiefen aber auch unwahrscheinliche Perlen zu finden.
Eine kleine Nachbetrachtung. Nichts ist so alt wie die Zeitung von Gestern, ich weiß, aber leider musste ich wieder früh hoch und das Vorschlafen hats nicht gebracht. Nächstes Jahr nehme ich mir dafür einen Tag frei oder fange später an!